Hintergrund

Die Arbeit der Abteilung für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste des Zentrum ÜBERLEBEN geht ursprünglich aus der Tätigkeit des Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste (zfm) hervor.

Als das zfm 1983 als Beratungsstelle für Flüchtlinge vom Landesverband Berlin des DRK eingerichtet wurde kamen die meisten Hilfesuchenden aus den DRK-Flüchtlingswohnheimen. Sie brauchten Beratung in ihren Asylverfahren und waren von Abschiebung in ihre von Bürgerkrieg und Verfolgung geprägten Heimatländer bedroht. Andere baten um Unterstützung bei Familienzusammenführungen. Zu dieser Zeit kamen die meisten Geflüchteten aus dem Iran, aus Sri Lanka und aus dem Libanon.

In den 1990er Jahren kam ein Großteil der Klientel des zfm dann aus dem ehemaligen Jugoslawien. Während des Kriegs flüchteten 350.000 Menschen in die BRD. Sie bekamen vorübergehend Aufenthalt. Auf Basis des Friedensvertrags von Dayton 1995 wurden viele Bosnier zurückgeführt. Für psychisch erkrankte Flüchtlinge wurden Regelungen getroffen, die mit dem Vorliegen einer kriegsbedingten „Posttraumatischen Belastungsstörung“ einen Schutz vor Abschiebung bzw. einen Eintritt in einen dauerhaften Aufenthalt in der BRD ermöglichten. Vergleichbare Regelungen wurden später auch für die Kosovoalbaner getroffen. In diesem Zusammenhang wurden klinisch-fachliche Bescheinigungen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren relevant. Die psychosoziale Arbeit bewegte sich im Spannungsfeld zwischen den Anforderungen an eine Behandlung kriegsbedingter psychischer Erkrankungen und der Relevanz der Attestierung entsprechender Diagnosen für aufenthaltsrechtliche Verfahren.

Viele Gflüchtete lebten und leben viele Jahre mit unsicherem Aufenthaltsstatus ("Duldung") in Deutschland. Mit dem aufenthaltsrechtlichen Status einer Duldung hängen verschiedene Restriktionen zusammen, wie bspw. die Residenzpflicht, die vorsieht, dass sich Geflüchtete für die Dauer ihres aufenthaltsrechtlichen Verfahrens in einer ihnen zugewiesenen Region aufhalten müssen, erschwerter Zugang zu Arbeitserlaubnissen, etc. Hinzu kommt, dass der Begriff Flüchtling in der Mehrheitsgesellschaft der BRD eher negativ besetzt ist. Die Betroffenen müssen also nicht nur mit dem psychischen Leid, das mit extremen Lebensereignissen im Zusammenhang mit Krieg, politischer Verfolgung etc. verbunden ist, sondern auch mit den Einschränkungen im Aufnahmeland und dessen Implikationen zurechtkommen. Die damit verbundene subjektive Verunsicherung in ihrer Verschränkung mit den psychischen Folgen von Folter oder anderen Formen grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Gewalt bedeutet für viele Flüchtlinge eine Manifestierung ihrer Ausgeliefertheit. Die Situation bedeutet häufig auch eine Befestigung ihrer Sprachlosigkeit, die weit über das Problem eingeschränkter Deutschkenntnisse hinausreicht.  Die Folgen sind häufig schwere Formen von Desintegration und das Auftreten oder die Verschlechterung psychischer Erkrankungen. Vor diesem Hintergrund ist der Hilfsbedarf bei dieser Zielgruppe besonders groß.

Mit dem Zuwanderungsgesetz 2005 haben sich die Direktiven der Aufenthaltstitel geändert. Der Status der Duldung existiert in geringfügig veränderter Form weiter. Die Europäische Aufnahmerichtlinie für Asylbewerber erklärt die besondere Schutzbedürftigkeit für bestimmte Personengruppen, zu denen auch die Opfer von besonders schweren Formen von Gewalt gehören. Diese Regelung bietet den Hintergrund für aktuelle Entwicklungen bei der Versorgung stark hilfebedürftiger Flüchtlinge.

Asylbewerber z.B. aus Afghanistan, dem Irak und Tschetschenien suchen Hilfe im Zentrum ÜBERLEBEN. Sie finden zunächst Unterstützung im psychosozialen Bereich und bei aufenthaltsrechtlichen Problemen. Darüber hinaus konnte die heutige Abteilung für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste seine Angebote für Flüchtlinge und Migranten mit Aufenthaltserlaubnis deutlich erweitern und Integrationsarbeit durch Sprachkurse, berufsvorbereitende Qualifizierungen und kulturelle Projekte leisten.